zwei wochen durfte ich jetzt mit akha-leuten (dem groessten stamm in den bergen von laos, thailand, burma und china) verbringen.
Ich bin mir noch immer nicht sicher, ob es ein work(out)camp oder eher ein survivaltraining war. Eines ist aber sicher: es war unglaublich und ich glaube nicht, dass ich das erlebte in die richtigen worte fassen kann.
In den zwei wochen waren wir in zwei verschiedenen doerfern. Das erste dorf war so ziemlich ohne wasser, das zweite ohne strom. Zum ersten mal habe ich erlebt wie es ist, wenn man zum wasserhahn geht und nichts rauskommt. Die frau der familie, bei der wir lebten, war am verzweifeln. Aber nicht nur sie, wir auch. Nachdem es extrem heiss war in den bergen wollten wir auch irgendwie duschen. Gar nicht so einfach. Duschen heisst: 1 km den berg runter zum wasser, einen kleinen wasserstrahl mit dem ganzen dorf teilen und dann gemeinsam duschen. Zuerst wird man von moskitos zerbissen, weil man lange ansteht (manche waschen waesche, holen trinkwasser, etc.) und dann duscht man umstaendlichst in einer art umhang. Kaum ist man wieder im dorf moechte man wieder umdrehen, weil man erneut verschwitzt ist. Phu, umstaendlich.
Im ersten dorf hatten wir das “glueck”, dass jemand verstorben war. Es duerfte ein wohlhabender mann gewesen sein, weil drei tage lang gefeiert, zelebriert, geschlachtet, gegessen und getrunken wurde. arbeiten war zu dieser zeit verboten – fuer uns natuerlich auch
30 huehner, 25 schweine, eine kuh und ein bueffel wurden geopfert. Der bueffel war die kroenung des ganzen – und sie musste traechtig sein. Nachdem das tote tier von den geistlichen angebetet wurde, wurde es speziell geoeffnet. Es war nicht unbedingt ein schoener anblick aber so ist das leben dort. Anhand eines stueckes der oberlippe, dem herzen und einem teil der lunge wurde dann die zukunft vorausgesagt. Das begraebnis selber war auch ein riesiges spektakel. Der sarg wurde auf den berg getragen, wo man den leichnam begraben wollte. Als sie aber den sarg hinunterlassen wollten, haben sie bemerkt, dass die grube zu klein war. Ein armer kerl musste runter und das loch vergroessern. In der naehe wurde dann noch die kleidung des verstorbenen verbrannt, das grab wurde am ende mit dingen belegt, die derjenige im leben gern hatte. Viele leute kamen zum “friedhof” weil sie sonst keine moeglichkeit haben, ihre angehoerigen zu besuchen. Zum grab darf man naemlich nur, wenn jemand gestorben ist. Und so durften wir mitansehen, wie die leute ihre graeber mit flipflops von blaettern und anderem zeug befreit haben. Viele bringen auch cola, zigaretten, etc. zum grab als gabe fuer die angehoerigen.
In einer kette, hand in hand, und ohne sich umzudrehen mussten wir dann den friedhof verlassen. Im dorf stand dann eine schuessel mit wasser, tee und ingwer bereit, in der man sich die haende waschen musste, um sich von den boesen geistern und seelen zu befreien, die hier waren.
Am zweiten tag der feierlichkeiten haben wir das schraegste ueberhaupt erlebt. Der staerkste junggeselle aus dem dorf wurde bemalt, dekoriert und mit einer art holzgestell in form eines riesigen penisses ausgeruestet. Die ganze nacht war er unterwegs auf der suche nach frauen. In jedem haus gabs akha water (schnaps) fuer ihn bis sein geist seinen koerper verlassen hatte und eine fremde macht ueber ihn herrschte. Er war auch des oefteren in unserem camp und wollte ueber eine herfallen. Alle, die ihn beruehrten sollten im naechsten jahr schwanger sein. Ich hielt mich also fern
nach drei tagen aufregung haben wir dann endlich gearbeitet. Einen vormittag haben wir beim bau einer huette geholfen, den nachmittag mussten wir uns in akhastickereien versuchen. Am naechsten tag bauten wir ein klo fuer einen dorfbewohner. Dafuer mussten wir vorher mit der machete in den dschungel holz besorgen. Und wieder einmal konnte ich von der baustellenerfahrung zu hause profitieren
danke
die zweite woche verging auch ganz schnell, obwohl es ein paar ausfaelle gab (wegen der hitze und den unruhen in bangkok) anfangs waren wir zu sechst, dann nur mehr zu dritt.
Im zweiten dorf waren wir meistens auf der baustelle. Zuerst steine aus dem fluss geholt, dann sand und kies. Gar nicht so einfach, wenn man sich das baumaterial nicht einfach liefern lassen kann.
zufaellig waren wir bei der reisernte dabei. Auch dort haben wir mitgeholfen (jedoch mehr schlecht als recht
) im endeffekt haben wir in der zweiten woche in klo gegraben und beim hausbau geholfen. Ich habe eine steinmauer gemauert. Ob sie die naechste regenzeit uebersteht kann ich nicht versprechen aber ich hab einfach ganz viel moertel verwendet. Wird schon halten
(fuer insider: da moahofa ludwig haett moani koa freid ghod mit mia
)
donnerstag und freitag haben wir im dschungel verbracht auf der suche nach essen und wasser. Mit macheten und einem gewehr waren wir unterwegs. Zuerst mussten wir bambus faellen, anschliessend becher, chopsticks, teller und toepfe herstellen. Schiessen durften wir auch aber mehr als einen baum hab ich nicht getroffen. Die “maenner” jedoch haben ein wildes huhn und zwei eichhoernchen geschossen (in ragoutform gar nicht so schlecht). Wir hingegen haben reis in bambusroehren gekocht und blaetter gepflueckt, wie sich das eben gehoert
ausser wildern, ein wenig herumballern und durch den dschungel latschen haben wir nicht sehr gemacht. Die maenner hatten ihre freude dabei, wir haben es nicht so sehr genossen, dieses outdooradventure. Aber gut, dass wir es einmal erleben durften. Die kocherei in bambus und blaettern fand ich auf jeden fall besonders faszinierend.
Gestern abend haben die drei dorfaeltesten noch eine abschiedszeremonie mit uns durchgefuehrt und unsere geister zurueckgeholt fuer unsere reise. Dabei haben sie uns baender ums armgelenk gebunden waehrend wir huehnerfleisch, ei, schnaps und tee konsumieren mussten. Heute gabs noch einmal eine zeremonie wegen der reisernte.
Phu, alles in allem zwei unglaubliche wochen. Es wird wohl noch ein wenig dauern bis ich das begriffen habe (wenn ueberhaupt). Aber ich bin froh, das alles miterleben zu duerfen wenngleich es auch manchmal recht muehsam ist.
Anyway… schicke euch ganz liebe gruesse aus nordthailand
lisi